“Das Schwerste im Leben ist, Mensch zu bleiben.”
— Chingiz Aitmatov
Aitmatov redete nicht ueber Theorien. Sein Vater, ein bekannter kirgisischer Parteifunktionaer, wurde 1938 waehrend Stalins Saeuberungen hingerichtet. Chingiz wuchs vaterlos in einem von Angst regierten Land auf. Sein gesamtes Werk handelt von Menschen, die das System zu zerbrechen versuchte. Das ist kein huebscher Satz. Es ist das Urteil eines Mannes, der gesehen hat, wie leicht man aufhoert, Mensch zu sein.
1937 wurde mein Vater erschossen. Ich war acht Jahre alt. Meine Mutter blieb allein mit vier Kindern in einem Bergdorf namens Sheker zurueck. Alle um uns herum schwiegen, weil Reden gefaehrlich war. Ich bin in dieser Stille aufgewachsen. Dann kam der Krieg. Dann kam ein System, das verlangte, dass man denkt wie alle anderen. Ich habe gesehen, wie Menschen sich selbst verloren, nur um zu ueberleben. Manche haben es geschafft, aber es war nichts mehr von ihnen uebrig. Ich habe beschlossen, dass es besser ist, alles zu riskieren, als leer zu werden. Wenn das Leben dich gerade zerbricht, halte daran fest: Gib nicht auf, was dich zu dir macht. Das ist das Einzige, das du nicht hergeben kannst.
