“Wenn du in Situationen der Ungerechtigkeit neutral bist, hast du die Seite des Unterdrueckers gewaehlt.”
— Desmond Tutu
Tutu sprach diesen Satz hunderte Male. Er wurde sein Markenzeichen. Dahinter stand konkrete Erfahrung: In Suedafrika bedeutete Schweigen Mittaeterschaft. Die Polizei toetete Kinder in Soweto. Schweigen hiess billigen. Tutu weigerte sich zu schweigen, selbst wenn Gefaengnis drohte.
Ich wurde in Klerksdorp geboren, einer kleinen Bergbaustadt. Mein Vater war Lehrer, meine Mutter Waescherin und Koechin. Schwarze durften nicht auf denselben Strassen gehen wie Weisse. Nicht auf denselben Baenken sitzen. Nicht dieselben Schulen besuchen. Ich war neun, als ein weisser Priester vor meiner Mutter den Hut zog. Ich stand da und konnte es nicht glauben: Ein weisser Mann zeigte einer schwarzen Frau Respekt. Dieser Moment zerbrach etwas in meinem Kopf. Ich wurde Priester. Dann Erzbischof. Dann die Stimme von Millionen, denen das Sprechen verboten war. Wenn du bei Ungerechtigkeit schweigst, stehst du nicht abseits. Du stehst auf der Seite dessen, der zuschlaegt.
